Der Kilometer Null

Alte Stellungen an der Larg im Elsass

Felder bei Pfetterhouse im Elsass Felder bei Pfetterhouse im Elsass

Ab dem November 1914 standen sich die deutsche Armee und die Armeen Frankreichs, Belgiens und Großbritannien vier Jahre lang gegenüber. Die rund 750 Kilometer lange Westfront erstreckte sich vom Ärmelkanal in Belgien bis hin zur Larg an der Schweizer Grenze. Bekannt wurde der südlichste Punkt der Front als der Kilometer Null. Die südlichsten Stellungen der deutschen Soldaten sind teilweise durch Hochstauden und Gestrüpp überwuchert. Ansonsten aber kannst Du Dich auf eine spannende Zeitreise durch ein dunkles Kapitel drei heute befreundeter Staaten freuen.

Start an der Larg-Brücke

Direkt am Parkplatz bei der ((A)) Larg-Brücke informiert eine Schautafel über die alten deutschen, französischen sowie auch Schweizer Stellungen und Posten. Zugleich werden wir gebeten, den mit einem gelben Ring markierten Themenweg nicht zu verlassen und auf die Sicherheit zu achten. Dann aber wünschen uns der Verein Les Amis du km 0 – die Freunde des Kilometers Null – und die Gemeinden Pfetterhouse und Mooslargue einen angenehmen Aufenthalt. So eingestimmt, wenden wir uns nach Osten und stoßen nach nur wenigen Schritten entlang der D 24 auf den deutschen Vorposten an der Largbrücke. Die nach dem Ersten Weltkrieg zerstörte Kasematte war über einen Deckungsgraben mit der Larg-Brücke verbunden.

Vorposten an der Böschung

Wir folgen dem Themenweg links zu einer MG-Stellung, dann in südlicher Richtung durch den Wald an den Resten einer Sperrstellung vorbei zurück an die D 24. Nachdem wir die Straße überquert haben, lohnt sich rechts ein Abstecher zu den ((1)) Vorposten an der Böschung. Die deutsche Stellung diente der Beobachtung und Abwehr und war durch einen gedeckten Graben mit der Larg verbunden.

So war es den Soldaten damals möglich, ungesehen Wasser aus dem Fluss zu schöpfen oder auch mal kurz in das Niemandsland zwischen den beiden Fronten vorzustoßen. Teile der ehemaligen Verschalung kamen bei der Instandsetzung des Postens wieder zutage. Neben den beiden gut zugänglichen Teilen des Postens führt ein Pfad zu den Resten eines Blockhauses.

Rekonstruktion der Deutschen Schützengräben des Ersten Weltkriegs an der Larg

Vorderste deutsche Stellung

Nach dem Abstecher folgen wir dem Rundweg in etwa parallel zur Larg an zwei unzugänglichen MG-Stellungen sowie einer Kasematte vorbei bis zu den Resten der aus drei Teilen bestehenden ((3)) vordersten deutschen Stellung. Anders als die Vorposten an der Böschung wurden sie nicht wieder instand gesetzt und werden regelmäßig von Pflanzen und Sträuchern zugewuchert. Dort treffen wir auf den Europäischen Fernwanderweg E5, der in südöstlicher Richtung nach Liebsdorf führt.

Wir indes schlagen die andere Richtung ein und nehmen den Pfad hinunter zum ((4)) Grenzstein 110. An dem im Jahr 1743 gesetzten Stein fällt einen Bärensymbol auf. Es erinnert an das Jahr 1815, als das Basler Fürstbistum infolge der europäischen Befreiungskriege gegen Napoleon an den Kanton Bern fiel. Weiter geht es über die von Schweizer Pionieren errichtete Holzbrücke über die Larg sowie über die 1950 angepasste Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz.

Der KM-0-Stein und Schweizer Posten

Als Nächstes kommen wir zum Grenzstein 111 beziehungsweise dem ((5)) Kilometer Null. Diese Stelle symbolisiert heute das südliche Ende der Westfront. Eine weitere Jahreszahl erinnert an die am 17. Dezember 1792 ausgerufene Raurakische Republik. Einen Katzensprung weiter steht der Grenzstein 111A. Er wurde gesetzt, nachdem der Eigentümer des Larghofes 1890 einen Gasthof errichtet hatte. Damals stand der Hof auf Schweizer Boden, während sich der Gasthof im damals deutschen Elsass befand.

Mit dem zusätzlichen Grenzstein wollten die Behörden aufzeigen, dass beides unterschiedlichen Grenzregelungen unterlag. Im Oktober 1914 wurde die Gastwirtschaft durch deutschen Artilleriebeschuss versehentlich zerstört. Von der heute Französisch-Schweizer-Grenze führt uns der Themenweg zum Larg-Bunker. Wie die Brücke wurde auch das aus Holz und Erde bestehende Blockhaus 2012 durch Schweizer Pioniere wieder aufgebaut.

Spuren der Eisenbahn

Auf Höhe des Hofs ((6)) Le Largin biegen wir rechts ab und nutzen den bequem zu gehenden Schotterweg bis zum ((7)) Parkplatz Schweiz. Dort halten wir uns rechts, biegen gut 100 Meter weiter sowie nach der Grenze abermals rechts ab. Damit befinden wir uns wieder im Elsass, wo uns der gelbe Ring zu den Resten einer ((8)) Eisenbrücke leitet. Die Brücke am Altmühlweg hatte den Ersten Weltkrieg noch unbeschadet überstanden.

Dafür wurde sie dann gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im November 1944 zerstört. Wir folgen dem Rundweg durch die gestreckte Linkskurve, bis wir schließlich zur erhaltenen ((9)) Güterholzbrücke abbiegen. Laut der Informationstafel vor Ort sollte von der Brücke aus gesehen der ehemalige Grenzbahnhof von Pfetterhouse zu sehen sein. Inzwischen aber ist die Sicht dorthin weitestgehend mit Gehölzen zugewachsen.

Villa Agathe - der erste Betonbunker Frankreichs

Auf dem letzten Abschnitt ab der Brücke bietet sich ein weiterer Abstecher zur ((10)) Villa Agathe an. Das erste aus Beton errichtete Befestigungswerk der französischen Front wurde erst 1918 fertiggestellt. Zurück auf dem Rundweg passieren wir bald einen Fischweiher, bevor es auf schmaleren Pfaden durch das Mühlenhölzle zurück zu unserem Ausgangspunkt bei der Larg-Brücke geht. Diese war übrigens im Herbst 1914 Schauplatz wiederholter Verbrüderungen unter den an die Front beorderten Männern – man kannte sich und hatte eigentlich Besseres zu tun. Seltsamerweise waren sich die Heeresleitungen der verfeindeten Armeen darin einig, dass ein solch friedliches Miteinander unterbunden werden musste. Im Verlauf des Kriegs setzte man die aus dem Elsass stammenden Soldaten daher zunehmend an Frontabschnitten fernab ihrer Heimatdörfer ein.

Die Raurakische Republik

Die Raurakische Republik ist eine Tochterrepublik der französischen Revolution. Benannt ist sie nach dem Keltenstamm der Rauriker, wobei sie hauptsächlich aus Teilen des Fürstbistums Basel bestand. Nach nur wenigen Monaten und zwei gescheiterten Nationalversammlungen annektierte Frankreich die zuvor deutschen Teile der Raurakischen Republik und bildete daraus das Département Mont-Terrible. Mit dem Wiener Kongress von 1814 und 1815 schließlich fiel dieser Landstrich an die Schweiz. Heute deckt sich die Fläche weitgehend mit dem 1979 geschaffenen Kanton Jura.

Ausgangspunkt und Anfahrt

Dein Ausgangspunkt für diese Wanderung ist die Larg-Brücke an der D 2.

Anfahrt mit Pkw: Von der A 5 Karlsruhe-Basel bei Ausfahrt 69 Weil am Rhein nach Hüningen abfahren. Weiter auf der D 105 und D 473 über Ferrette und Vieux Ferrette bis Moernach, dort auf die D 24 wechseln und der Straße Richtung Pfetterhausen bis zum Parkplatz an der Largue folgen.

Anfahrt mit Bus und Bahn: -

Wanderkarte mit Höhenprofil


Höhenprofil

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