Wanderung auf den Hartmannswillerkopf

Spuren des Kriegs am Menschenfresserberg

Soldatenfriedhof am Hartmannswillerkopf Stacheldraht aus dem Ersten Weltkrieg am Hartmannswillerkopf

Der Hartmannsweilerkopf erhebt sich fast 700 Meter von der Elsässer Ebene zu den Vogesen. Für Ausblicke über das Rheintal ist er somit wie geschaffen. Allein deshalb war der Berg im Ersten Weltkrieg schwer umkämpft. Bis heute sind die Spuren im Gelände allgegenwärtig.

Der Berg des Todes oder auch Menschenfresserberg

Der Hartmannsweilerkopf zählt zu den Nebenschauplätzen im Ersten Weltkrieg. Die schwersten Kämpfe tobten hier im Januar, März und April 1915 und vom 21. Dezember 1915 bis in den Januar 1916 hinein. Ab Mitte 1916 beschränkten sich beide Seiten im Wesentlichen darauf, ihre Stellungen zu halten. Durch die hohen Opferzahlen erhielt der Berg bald die Beinamen Menschenfresserberg oder auch Berg des Todes.

Andere nannten ihn aber auch Heiliger Berg. Da keine Seite eine Entscheidung herbeizuführen vermochte, zählt der Berg zu den deutlichsten Beispielen für die Sinnlosigkeit des Krieges. Das auch vor dem Hintergrund, dass die Oberbefehlshaber den Berg nutzten, um neue Methoden der Kriegsführung auszuprobieren. So kamen hier die ersten Flammenwerfer zum Einsatz. Noch heute liegen Munitionsreste auf der Bergkette.

Start bei der Domaine du Hirtz

Zwischen Hirtzenstein, dem Hirschfelsen, und dem Hartmannsweilerkopf hat sich die Domaine du Hirtz einem verantwortungsbewussten Tourismus im Herzen der elsässischen Natur verschrieben. Landschaftsschonende Freizeitangebote wie Wandern, Radfahren und Eseltouren gehören genauso dazu wie der sparsame Umgang mit Wasser und Energie. Romantische Wochenende und private Spa-Angebote runden das Angebot ab. Angesichts dieser Idylle erscheinen die Kämpfe unvorstellbar, die hier zwischen 1914 und 1918 tobten und 30.000 Menschenleben forderten.

Erste Spuren des Kriegs

Vom Parkplatz unterhalb des Hirtzensteins geht es mit der Kennzeichnung gelbes Dreieck zur Suisse Lippique. Auf dem in diesem Bereich breiten Wanderweg kommen wir bald an den ersten Stellungen vorbei, die hier im Ersten Weltkrieg ins harte Gestein getrieben wurden. Oft ist kaum mehr als ein kleines Loch zu erkennen, das mit Beton oder auch nur Wellblechen gestützt wird. Viele dieser Bauwerke sind inzwischen mit Moos, Efeu und auch Sträuchern bewachsen. Nach gut 300 Metern ab dem Start passieren wir eine Steinpyramide. Sie ist »Den tapferen Gefallenen« gewidmet und beseitigt den letzten Zweifel, dass es hier nicht immer so friedlich zuging.

Aufstieg durch die Lippische Schweiz

Gleich nach der Steinpyramide überqueren wir den Silberbach, passieren erst das Leopoldsbad, dann den Bieberstein. Dort teilen sich die Wanderwege. Rechts geht es ins Tal nach Wattwiller, links folgen wir weiter dem gelben Dreieck am »56er Brunnen« vorbei in die Lippische Schweiz. Der untere Zugang ist bald erreicht. Der Name des Sektors geht auf die in Nordrheinwestfalen liegende Region Lippe und dem Gebirgscharakter zurück, welcher die aus dem Norden Deutschlands stammenden Truppen an die Schweiz erinnerte. Auf einer Länge von 500 Metern sind hier 200 Höhenmeter zu bewältigen. Unser Weg ist etwas länger. Aus Sicherheitsgründen ist der unterste Abschnitt gesperrt, sodass wir einen Umweg über den Goldbach in Kauf nehmen müssen.

Unterer Rehfelsen

Dann aber erreichen wir den Schützengraben, der sich vom Dickbauenweg bis hoch zum Unteren Rehfelsen schlängelt. Hier reihen sich Unterstände und gemauerte Felseingänge aneinander. Die dahinter liegenden, nur grob aus dem Felsen geschlagenen Eingänge lassen ahnen, unter welche erbärmlichen Bedingungen die Soldaten selbst auf diesem besser geschützten Abschnitt ausharren mussten. Wer eine Taschenlampe mitnimmt, kann die Stollen erkunden.

Geschützt vor feindlichem Beschuss verbunden sie einige der Geschützstände. Im mittleren Bereich der lippischen Schweiz zeugt die Ehrentafel der Garde-Jäger vom Kampf um den Unteren Rehfelsen. Nachdem wir einen Gedenkstein mit der Aufschrift »hier ruhen 4 tapfere deutsche Kameraden« passiert haben, erfolgt der weitere Aufstieg über die Feste Scheufele und durch einen ummauerten Gang sowie teilweise auch durch die Gebäude.

Die Himmelsleiter - Graben

Oberhalb des Unteren Rehfelsens treffen wir auf einen rot-weiß-rot markierten Wanderweg, der links zum Monument Serret führt. Dieses werden wir auf dem Rückweg kennenlernen. Nun aber folgen wir zunächst noch dem gelben Dreieck durch den Himmelsleitergraben zur Feste Bamberg. Hier öffnet sich die Sicht über die Elsässische Ebene und das Rheintal zum Schwarzwald im Osten sowie zu den Alpen und das Jura nach Süden.

Von hier ist auch schön zu sehen, wie sich der Wald, der durch Artilleriebeschuss und Brände im Ersten Weltkrieg komplett verloren ging, wieder über den Hartmannsweilerkopf ausbreitet. Wir folgen der Himmelsleiter weiter über die Hexenküche – einen kleineren, mit Moos bewachsenen Geschützstand, bis zu einem Abzweig, bei dem der mit gelbem Dreieck gekennzeichnete Weg links abbiegt. Wir indes biegen dort rechts ab, sodass wir bald die Feste Grossherzog erreichen.

Feste Grossherzog

Die Feste Grossherzog ist die wichtigste deutsche Festung auf dem Hartmannswillerkopf. Ihren Namen erhielt sie vom 14. Badischen Pionier-Bataillon, welches im Herbst 1915 mit den Arbeiten zu der Festung begann und sie dem Großherzog Friedrich II. von Baden widmete. Sie ist unterirdisch mit den benachbarten Festungen Rohrburg, Mengelbier-Stollen und Aussichtsfelsen verbunden und hatte damals schon Strom-, Wasser- und Telefonanschluss. Am 21. Dezember gelang es französischen Truppen, die Festung einzunehmen.

Beim Gegenangriff wurden sie jedoch schon tags darauf vernichtend geschlagen. Mit der Kapitulation dreier Alpenjäger Bataillone auf dem Hirtzstein am 8. Januar 1916 war die Situation von vor dem 21. Dezember wieder hergestellt – mit dem Unterschied, dass beide Seiten hohe Verluste zu beklagen hatten. Leider hat die Erosion der in weiten Teilen in den Felsen hinein gebauten Festung arg zugesetzt, sodass sie für Besucher gesperrt werden musste.

Dennoch lohnt es sich, eine Weile im Bereich zwischen der Feste Grossherzog und dem Aussichtsfelsen zu verbringen und den Blick über die Wallfahrtskirche in Thierenbach im Norden und über die Orte in der Elsässer Ebene schweifen zu lassen, die sich mithilfe einer Orientierungstafel bestimmen lassen. Auf dem Aussichtsfelsen wurde im Jahr 1919 ein sechs Meter hohes Kreuz zu Ehren der Elsässer aufgestellt, von denen zwischen 17 000 und 20 000 in der französischen Armee eingetreten waren und 380 000 in der kaiserlichen deutschen Armee kämpften.

Auf dem Hartmannswillerkopf

Über ummauerte Gräben verlassen wir den Bereich Aussichtsfelsen. Auf dem nächsten Abschnitt kommen wir am »Sankt-Gotthard-Tunnel«, dem Zugang zu einem unterirdischen Stollen, vorbei zum »Bremer Ratskeller«. Dies war ein vorgeschobener Beobachtungsposten mit ausfahrbarem Periskop. Der Name rührt daher, dass der Bremer Stadtrat von 1330 bis 1815 das Privileg genoss, den Weißwein vor dem Verlauf in seinem Ratskeller lagern zu lassen. Ab dem Bremer Ratskeller folgen wir der rot-weiß-roten Markierung über das Krottenloch zum nahen Gipfel. Es ist der Bereich, in dem sich Deutsche und Franzosen bis zum Ende des Kriegs gegenüberlagen.

Als Schutz sehen wir hier versteinerte Betonsäcke. Mit ihnen war es möglich, selbst unter Beschuss Mauern zu errichten, die den kleineren und mittleren Geschossen standhielten. Auf dem abgeflachten Gipfel stehen zwei Denkmäler. Eines ist dem 28. Alpenjäger-Bataillon gewidmet, das andere, weniger auffallend, ist der Markstein Hartmann. Er wurde im Juni 1927 als letzter von 118 Marksteinen des Bildhauers Moreau-Vauthier auf die Frontlinie vom Juli 1918 gesetzt. Von dem Markstein aus ist der französische Nationalfriedhof Silberloch zu sehen. Der Zuweg dorthin führt über den Moyret-Unterstand und Col du Silberloch, von wo sich der Friedhof gut überblicken lässt.

Ab Januar 1915 wurden hier 1640 gefallene französische Soldaten beigesetzt. Gräber deutscher Soldaten sucht man vergebens. Sie wurden entweder in Cernay oder Guebwiller begraben oder in ihre Heimat überführt. Um alle auf dem Berg abgeschlachteten Männer zu bestatten, müsste der Friedhof 18-mal so groß sein. Im August 2014 legten hier Frankreichs Staatschef François Hollande und Bundespräsident Joachim Gauck den Grundstein zu einem deutsch-französischen Museum. Im Jahr 2018, 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, soll es eröffnet werden.

Rückweg zum Hirtzenstein

Auf der rechten, östlichen Seite der Krypta wechseln wir von der rot-weiß-roten Markierung auf den mit gelbem Punkt ausgewiesenen Wanderweg. Somit zweigen wir auf der Südseite des Friedhofs rechts zum Hirtzenstein ab. Der Abstieg erfolgt über das Monument du General Serret, der hier am 28. Dezember 1915 als Kommandant der 66. Division ums Leben kam. Beim Denkmal sowie ein kurzes Stück talwärts überqueren wir zweimal den Silberbach, ehe wir zu einer Abzweigung gelangen.

Der Hirtzenstein ist dort zu zwei Seiten angeschrieben ist. Wer einen weniger steilen Abstieg bevorzugt, nimmt den Umweg über Impasse des Alpins. Ansonsten bleiben wir auf dem mit gelbem Punkt markierten Weg, der uns nun direkt hinunter zur Domaine du Hirtz führt. Zum Abschluss dieser Wanderung empfehlen wir einen Abstecher auf den Hirtzstein. Der Zugang erfolgt über den botanischen Pfad. Oben angekommen, öffnet sich uns nochmals eine schöne Sicht über das heute so friedliche Elsass.

Kriegsende am 11. November 1918

»Waffenstillstand. Sofort stiegen die Fritz aus ihren Schützengräben und kamen, um Tabak und Zigarren gegen Brotlaibe und Dosen mit Rindfleisch einzutauschen. Beobachtungsoffiziere auf dem [benachbarten] Molkenrain bemerkten diese Vorgänge und schleuderten strenge Befehle gegen die Verbrüderungen. Es half nichts.« Jean Marot, französischer Leutnant.

Ausgangspunkt und Anfahrt

Dein Ausgangspunkt für diese Wanderung ist bei der Domaine Hirtz.

Anfahrt mit Pkw: Von der D 83 Colmar – Cernay bei Hartmannswiller oder Uffholtz abfahren, weiter über die D 44 bzw. D 431 und D 5 nach Wattwiller. Im Ort der Beschilderung zur Route des Crêtes folgen, dann rechts auf die Forststraße zur Domaine Hirtz abbiegen.

Anfahrt mit Bus und Bahn: -

Wanderkarte mit Höhenprofil


Höhenprofil

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