Kaiserliche Runde durch das mittlere Elsass

Wanderung von Saint-Hippolyte zur Hohkönigsburg

Hohkönigsburg im Elsass Hohkönigsburg im Elsass

Schon von Weitem ist die Hohkönigsburg gut zu erkennen. Einer anderen Zeit entsprungen, thront sie auf einem Buntsandsteinfelsen hoch über der Ebene. Sie ist die einzige Burg im Elsass, die vollständig rekonstruiert wurde. Eine abwechslungsreiche Wanderung dorthin startet im beschaulichen Saint-Hippolyte beziehungsweise Sankt Pilt. Der Anstieg führt uns somit über die Passhöhe Schaentzel zur Oedenburg, dem direkten Nachbar der Hohkönigsburg.

Start in Saint-Hippolyte

Bei unserem Ausgangspunkt an der Route du Haut Koenigsbourg sind eine ganze Reihe Wanderungen ausgeschildert oder mit ihren Zielen dargestellt. Dazu gehören die Rundwege zum Rocher du Sanglier, dem Eberfelsen, und ins Vallon des Moulins, dem kleinen Tal der Schafe, sowie der Spaziergang durch Saint-Hippolyte.

Möglichkeiten für Wanderungen gibt es damit reichlich. Auch die Hohkönigsburg ist mit einer rot-weiß-roten Markierung angegeben. Auf diesem Weg werden wir später zurückkehren. Nun aber wählen wir die entgegengesetzte Richtung zum Schaentzel.

Auf dem Jakobsweg

Nachdem wir uns orientiert haben, überqueren wir die Hohkönigsburgstraße und laufen am Hotel und Restaurant Le Parc vorbei in die Rue de Parc. Auf diesen ersten Metern begleiten uns sechs verschiedene Wegmarkierungen, darunter die Muschel des Jakobswegs nach Santiago de Compostela. Für uns sind das blaue Dreieck und der blaue Ring maßgeblich.

Sowie die Parkstraße eine Rechtskurve beschreibt, halten wir uns bei der nächsten Verzweigung rechts. Damit verlassen wir den Winzerort und gelangen über den Hoeheweg in die Weinberge oberhalb von Saint-Hippolyte. Der Blick reicht hier über die Reben und Wälder hoch zur Hohkönigsburg.

Rocher du Sanglier - der Eberfels

Gut 300 Meter weiter fehlt möglicherweise das blaue Dreieck an einer Weggabelung. Hier bleiben wir auf dem Hoeheweg, dem wir in etwa parallel zum Eckebach in den Wald folgen. Dort wechseln wir rechts auf einen Waldweg, dem wir (an der nächsten Verzweigung wieder rechts) über den Rocher du Sanglier (Eberfels) bergan zum Teufelsloch folgen.

Das Teufelsloch ist eine alte Bergbaustätte, bei der in den 1950er Jahren Uran abgebaut wurde. Dort erreichen wir das untere Ende einer größeren Lichtung, wo ein Picknick-Platz mit Sicht auf die Burg zu einer ersten Rast einlädt. Anschließend geht es auf der linken Seite der Lichtung mit dem blauen Dreieck weiter bergauf durch den Wald.

Aufstieg über den Schaentzelpass

Nachdem wir einige Höhenmeter im Wald bewältigt haben, treffen wir auf die D 42 an ihrer Einmündung in die D 1B1. Sobald wir die Straße umsichtig überquert haben, folgt ein weniger steiler Abschnitt oberhalb der D 42 bis zum Col du Schaentzel. Auf der Passhöhe endet die Markierung blaues Dreieck. Außerdem erreichen wir auf der Passhöhe die Grenze zwischen den Departements Oberrhein und Niederrhein. Für den weiteren Aufstieg zur Hohkönigsburg nutzen wir ab der Passhöhe den GR 5. Auf dem Weg dorthin zweigt rechts ein Wanderweg zum Hotel Haut Koenigsbourg und Schaflager ab. Wer die Burgbesichtigung auf einen anderen Tag in Angriff nehmen will, kann hier ruhig abkürzen.

Alle anderen bleiben auf dem GR 5, der im weiteren Verlauf zweimal kurz nacheinander die Zufahrtsstraße zur Burg kreuzt, ehe vor uns die Hohkönigsburg zwischen den Bäumen auftaucht. Gleich nach diesem ersten Ausblick biegen wir scharf links zur Oedenbour ab. Vom Wanderweg ist die Burgruine nicht zu sehen, obwohl es nur wenige Schritte dorthin sind. Um die auch als Petit-Koenigsbourg bekannte Festung führt jedoch ein kurzer Rundweg.

Am besten erhalten ist der Donjon, der bewehrten Wohnbau der »verlassenen Burg«. Westlich und östlich des rechteckigen Palas zeichnen sich Gräben und Wälle im Gelände ab, wodurch die Oedenburg in ihren Ausmaßen der Hochkönigsburg zumindest flächenmäßig ebenbürtig ist. Allerdings diente die Festung beim Wiederaufbau ihrer großen Schwester als Steinbruch, sodass im Gelände nur spärliche Mauerreste zu finden sind.

Geschichte vom Castrum Estufin zur Hohkönigsburg

Auf der Nordseite der Oedenburg treffen wir wieder auf den Rundweg, dem wir nun ostwärts an den nördlichen Wehrgängen vorbei zur Hohkönigsburg folgen. Der Eingang in die Burg erfolgt über die Rampe an der Südseite, wobei wir an Tagen mit viel Andrang oberhalb der unteren Kassen ein weiteres Kassenhäusle direkt beim Haupttor finden. Die Geschichte der auf einem Felskamm errichteten Höhenburg reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Die Staufer hatten die zunächst Castrum Estufin genannte Festung als Beobachtungspunkt und Rückzugsposten errichtet. Von hier aus ließen sich die Handelswege westlich des Oberrheins kontrollieren.

1147 war erstmals von der Burg Staufen die Rede, welche der Herzog Friedrich, der Vater des späteren Kaisers des römisch-deutschen Reiches Barbarossa, gegründet haben soll. Aus der staufischen Zeit sind ein Fenster und ein Tor mit dem Löwenwappen der Staufer erhalten. Ab 1192 war die Festung als Kinzburg sowie Königsburg bekannt. In der Folge mehrerer Besitzwechsel nisteten sich Raubritter auf der Festung ein, weshalb sie 1462 erstmals zerstört wurde. Nach einer zweiten Blütezeit fiel die Festung dem Dreißigjährigen Krieg zum Opfer, in dessen Verlauf schwedische Truppen die Burg nach einer 52-tägigen Belagerung in Brand steckten.

Wiederaufbau der Festung zur Kaiserzeit

Der Wiederaufbau erfolgte im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. von 1901 bis 1908 unter der Leitung des Architekten und Burgenforschers Bodo Ebhardt. Der Kaiser hatte die Burg als sein rechtmäßiges Erbe von der Stadt Schlettstadt angenommen. Die Elsässer hatten damals zwar schon Pläne für einen Wiederaufbau gefasst, aber nicht die Mittel dazu aufbringen können. Heute ist die Hohkönigsburg die bedeutendste Burg und das einzige französische Nationaldenkmal im Elsass. Für den Rundgang reichen zwei Stunden.

Rückweg nach Saint-Hippolyte

Nach der Burgbesichtigung verlassen wir die Hohkönigsburg über den Fußweg zum Pavillon an der Zufahrtsstraße. An der rechten Seite ist der Zugang zu den Wanderwegen, die sich unterhalb vom Pavillon aufteilen. Wir biegen links ab und folgen bis auf Weiteres der gelben Raute immer Richtung St. Hippolyte. Der Weg führt durch den Wald und an der Kalten Quelle vorbei nach Schaflager. Nach einem kurzen Abschnitt direkt auf der Grenze kehren wir in das Departement Oberrhein zurück. Der weitere Abstieg erfolgt durch einen reizvollen Wald bis zu einem Aussichtspunkt mit Orientierungstafel.

Der Abstecher dorthin lohnt sich! 300 Meter weiter erreichen wir wieder die Rebhänge und biegen im Bereich eines hässlichen Zauns rechts ab. Kurz bevor wir den Ortsrand erreichen, treffen wir wieder auf den mit blauem Dreieck gekennzeichneten Wanderweg, dem wir an einem Christuskreuz vorbei sowie über die Rue Schlossreben zurück zum Ausgangspunkt in Saint-Hippolyte folgen. Dort eröffnen sich uns dann eine ganze Reihe an Möglichkeiten, den Tag bei einem edlen Tropfen ausklingen zu lassen.

Tipp: Affenberg – Montagne des Singers

Seit 1969 leben Berberaffen auf einem 24 Hektar großen Waldgebiet unterhalb der Hohkönigsburg im Montagne des Singers. Die rund 200 Tiere können sich innerhalb des Geländes frei bewegen, wobei Forscher hier wichtige Erkenntnisse über das Sozialverhalten der Affen sammeln konnten. Am Eingang bekommt jeder Besucher etwas Popcorn, ein Leckerbissen für die Primaten. Die Berberaffen stellen außerdem einen wertvollen Reservebestand für ihre im Nationalpark Ifrane von Marokko wildlebenden Artgenossen dar. Infos gibt die Seite montagnedessinges.com

Ausgangspunkt und Anfahrt

Dein Ausgangspunkt für diese Wanderung ist der Parkplatz an der Route du Haut Koenigsbourg in Saint-Hippolyte.

Anfahrt mit Pkw: Von der A 35 bei Ausfahrt 18 abfahren, dann der Beschilderung auf der D 1B1 (Route du Vin) nach Saint-Hippolyte folgen. Im Ort rechts in die Route du Haut Koenigsbourg abbiegen.

Anfahrt mit Bus und Bahn: Ab Colmar fährt die Buslinie 109 die Haltestelle St-Hippolyte-Parc-Walter in Saint-Hippolyte an.

Anforderungen und GPS-Daten zum Download

Gehzeit3.30 Stunden
Distanzca. 10,5 km
Anstiege480 HM
AnforderungenAbwechslungsreiche Tour auf überwiegend gepflegten Pfaden und Forstwegen
EinkehrCafé bei der Hohkönigsburg, Gastronomie in Saint-Hippolyte
GPS-DatenWanderung Hohkönigsburg gpx
KML-DatenWanderung Hohkönigsburg kml

Wanderkarte mit Höhenprofil


Höhenprofil

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