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Geschichtsrunde bei Wissembourg (Weißenburg)

Über das Geisberg-Monument bis zu den Lauterlinien

Kirche Sankt Ulrich in Altenstadt
Wanderweg auf den Geisberg

Ab dem Bahnhof von Wissembourg folgen wir der Markierung blauer Ring ins nahe Altenstadt. Nach wenigen Metern entlang der Allée des Peupliers, Pappelallee, passieren wir einen hohen Schornstein mit Storchennest. Gleich danach biegen wir links ab, sodass wir an den Ortsrand von Weißenburg kommen. Über die Rue des Étoiles, die Sternenstraße, führt uns dieser kurze Umweg zur Kirche Sankt Ulrich in Altenstadt.

Das Gotteshaus zählt zu den ältesten christlichen Gotteshäusern im Elsass und markiert das nördliche Ende der Romanischen Straße. Charakterisiert wird die Kirche von einem aus dem 11. und 12. Jahrhundert stammenden Langhaus, das in drei Schiffe unterteilt ist. Im Jahr 1878 haben Ausgrabungen eine unter dem Altar gelegene gallorömische Stele zutage gefördert, die einer frühen Gottheit gewidmet war.

Felder und Hügel bei Wissembourg
Reste vom Schloss Geisberg bei Wissembourg

Bei der Kirche biegen wir rechts auf die Hauptstraße ab, die uns zurück an die D3 nach Weißenburg führt. Jenseits des Kreisverkehrs müssen wir das Gewerbegebiet durchqueren. Das ist nicht schön, liegt aber auch bald hinter einem. Weiter geht es mit dem blauen Ring auf den Geisberg.

Sowie wir ein Gehölz passiert haben, ragt vor uns das französische Monument du Geisberg in die Höhe. Daneben finden sich wenige Reste des 1940 zerstörten Geisbergschlosses. Durch die aussichtsreiche Lage war der Hügel in früheren Zeiten auch strategisch von Bedeutung.

Kirche St. Ulrich in Altenstadt
Monument auf dem Geisberg
Preußen-Denkmal auf dem Geisberg

Allein im 18. Jahrhundert fanden hier drei Schlachten statt. Am 4. August 1870 trat am Geisberg zur Überraschung von Kaiser Napoleon III. erstmals ein gesamtdeutsches Heer in Erscheinung. Dieses umfasste auch Länder, die er als neutral oder auf seiner Seite gesehen hatte. Nach dem Abstecher zur französischen Gedenkstätte kehren wir auf den Wanderweg zurück. 600 Meter weiter zweigt ein Weg zum Weißenburg-Denkmal auf dem Geisberg ab.

Auf dem aus Sandstein errichteten Denkmal ist zu lesen: »Das Erste Preussengrab für Deutschlands Einheit«. Auch dieses erinnert an die Ereignisse vom 4. August 1870. Bei den wenige Stunden dauernden, aber heftigen Kämpfen um Weißenburg mit dem Sturm auf den Geisberg waren insgesamt 1700 Soldaten getötet oder verletzt worden. Nur zwei Tage später zog sich das französische Feldheer aus dem gesamten Elsass zurück.

Sicht über die Felder auf dem Geisberg
Felder auf dem Geisberg bei Wissembourg

Von Steinseltz auf den Taubenschlagpass

Zurück auf dem Wanderweg folgen wir zunächst noch dem blauen Ring durch Getreide- und Maisfelder, wechseln dann aber auf den mit einem grünen Punkt markierten Weg, der uns durch die Weinberge in das malerisch gelegene Steinseltz führt. Südlich davon schwenkt der Wanderweg nach Westen und nimmt Kurs auf den Col du Pigeonnier.

Nach 800 Metern (ab Steinseltz) kreuzen wir einen Jakobsweg. Wer die Wanderung abkürzen möchte, kann hier rechts abbiegen und über Oberhoffen zurück nach Weißenburg laufen. Alle anderen folgen dem grünen Punkt weiter durch ausgedehnte Felder bis zum Parkplatz Pfeiferberg, wo wir nahe dem Weingut und Hotel Cleebourg die D77 kreuzen.

Blick über die Weinfelder nach Steinseltz
Heuernte bei Steinseltz

Hier ändert sich der Charakter der Wanderung. Nach den eher gemütlichen Wegen am Rand der Rheinebene gewinnen wir beim Aufstieg über den Houx géant, eine große Stechpalme, zum Col du Pigeonnier 200 Höhenmeter.

Auf dem Taubenschlagpass überqueren wir umsichtig die viel und schnell befahrene D3 und bietet sich uns mit dem Refuge de Pigeonnier direkt oberhalb der Straße eine weitere schöne Möglichkeit für eine gemütliche Einkehr.

Wanderweg von Steinseltz auf den Col du Pigeonnier
Wanderweg von Steinseltz auf den Taubenschlagpass
Wegmarkierung des Club Vosges unterhalb des Col du Pigeonnier

Bei dem Wanderheim treffen wir auf den GR53. Auf ihm müssen wir nochmals einige Höhenmeter bewältigen, bis wir mit dem Scherhol den höchsten Punkt dieser Tour erreicht haben. 1894/95 wurde hier der steinerne Scherhol-Turm errichtet.

Der 14,6 Meter hohe Turm besaß eine Aussichtsplattform, wurde im März 1945 beim Rückzug der deutschen Truppen gesprengt und danach nicht wieder aufgebaut. So zeugen heute nur noch wenige Reste von dem Aussichtsturm nahe einer Schutzhütte.

Wanderweg von Wissembourg nach Steinseltz
Fachwerkhaus in Steinseltz

Rückweg über den Lauterlinien oder auch Weißenburger Linien

Reste des Scherholturms
Redoute Maréchal du Bourg, Teil der Lauterlinien

Bei der nächsten Gabelung halten wir uns links und wandern auf dem GR 53 über den Col du Birkenthal bergab zur Redoute Maréchal du Bourg. Bei der auch heute noch deutlich zu erkennenden Schanzenanlage handelt es sich um einen Überrest der Lauterlinien bzw. Weißenburger Linien. Diese entstanden ab 1706 während des spanischen Erbfolgekriegs und sollten die kaiserliche Armee aufhalten.

Das Verteidigungssystem erstreckte sich damals vom Rhein bis zu den Vogesen, bestand aus 50 Schanzen und 28 Dämmen und hat zumindest für ein ruhigeres 18. Jahrhundert gesorgt. Im 19. Jahrhundert verfiel der Abwehrgürtel zusehends, bis er schließlich ganz aufgegeben wurde. Heute nutzen Mountainbiker die Wälle für spektakuläre Geländefahrten. Gegenseitige Rücksichtnahme ist geboten.

Blick über die Lauter in Wissembourg
Schartenturm
pittoresker Blick über die Lauter

Beim Forsthaus Scherhol kommen wir erneut an die D3, der wir diesmal in Richtung Weißenburg folgen. Dabei kommen wir an einem überraschend weitläufig angelegten Rastplatz vorbei, von denen sich die Sicht nach Norden über das von Wäldern umgebene Lauterbachtal öffnet. Nach etwa 15 Minuten trennen sich der GR und die D3, sodass wir nun entlang von Feldern und Gehölzen wieder nach Weißenburg kommen.

Wer dem GR53 treu bleibt, gelangt über die Rue de Turckheim und den Boulevard Clemenceau zurück zum Bahnhof. Schöner finden wir es jedoch, bei der Lauter zum Schartenturm abzubiegen und die Tour mit einem Bummel durch die Altstadt von Weißenburg abzuschließen. Nicht verpassen sollte man dort den Abstecher in die Rue de la Passerelle, die uns eine besonders schöne Sicht über die Lauter eröffnet.

Blick über das Tal der Lauter
Wiesen und Weinfelder zwischen Wissembourg und Steinseltz

Anfahrt und Anforderungen der Wanderung bei Weißenburg

Die Anfahrt erfolgt ab Karlsruhe und Landau über die A65 und B427 bzw. B38 über Bad Bergzabern bis nach Wissembourg. Dort der D264 und D434 bis zum Gare Wissembourg folgen. Ab Landau und Straßburg bestehen direkte Zugverbindungen nach Wissembourg.

Ausgangspunkt Bahnhof Wissembourg
Koordinaten N 49.0319, O 7.9503
Gehzeit 6 Stunden
Distanz ca. 19,2 km
Anstiege 430 HM
Grad T2, Kondition am Berg von Vorteil
Einkehr in Steinseltz, Weingut Cleebourg, Refuge de Pigeonnier, in Wissembourg
gps-Daten Wanderung Wissembourg gpx
kml-Daten Wanderung Wissembourg kml

Wanderkarte Geschichtsrunde Weißenburg

Höhenprofil

Steigungsprofil

VG Wort