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Stadtrundgang durch Sélestat

von der Vauban-Stadtmauer zum Straßburger Tor

die Vauban-Stadtmauer in Sélestat
FRAC - Zentrum für Gegenwartskunst in Sélestat

Die ersten Tatzen führen uns von der Ill an die nahe Vauban-Stadtmauer. Der französische General und Festungsbaumeister Sébastien Le Prestre de Vauban plante die letzte Neubefestigung der mittelalterlichen Umwallung. Diese Einfriedung umringte das damalige Schlettstadt und erhielt drei Tore. Das Breisacher Tor, das Colmarer Tor und das Straßburger Tor, wovon letzteres in der Innenstadt noch erhalten ist.

1993 ließ der zeitgenössische Künstler Sarkis 310 Tafeln in das Mauerwerk ein. Das Kunstwerk trägt den Titel »Le pointe de rencontre: Le Réve« – Treffpunkt Traum. Jede der Tafel ist mit einem verträumten Wortfetzen beschrieben. Die Anzahl der Tafeln ist dabei bewusst gewählt: Sélestat umfasst 310 Straßen. Für den Fall, dass weitere Straßen hinzukommen, sind auf der gegenüberliegenden Seite unbeschriftete Tafeln an das Mäuerchen oberhalb der Ill angebracht.

Fachwerkhäuser im Gerberviertel von Sélestat
in dem Durchgang wütete einst das »Stadtthier«
die Mediathek von Sélestat

Wir überqueren die Ill und gelangen an die Mediathek, die von weißen Stahlträgern überspannt ist. Hier werden regelmäßig Ausstellungen gezeigt. Bei dem schönen Wetter verzichten wir auf einen Besuch

und erreichen das Zentrum der Gegenwartskunst. In der langgezogenen Glasfront der modernen Architektur spiegelt sich die Altstadt wider, der wir jetzt einen Besuch abstatten.

der Ladhof in Sélestat
ehemaliges Gefängnis von Schlettstadt

Zurück auf der linken Seite der Ill überqueren wir die Hauptstraße und gelangen zum Ladhof. Im Mittelalter war hier der Hafen von Sélestat, wo die Waren umgeladen wurden. Im Haus des Ladhof ist einer der schützenden Wehrtürme der Ringmauer integriert. Nachdem der Hafen im 14. Jahrhundert versandete, wurden die Waren direkt auf der Ill verladen.

Heute befindet sich im ehemaligen Hafen der Place du Vieux-Port mit einem recht wandelbaren Gebäude: Erbaut als Armenhospiz, wurde es später zum Krankenhaus der Reichen, dem »hopital bourgeois«, um schließlich zu einem Gefängnis umfunktioniert zu werden. Leider steht der ehemalige Hafen voll mit Autos, die dem Platz seinen Charme rauben.

das Zunftzeichen der Gerber - Sélestat
das Zunftzeichen der Bäcker - Sélestat

Umso idyllischer ist die schmale Gasse des historischen Gerberviertels. Die damals stinkende Kanalrinne ist längst überdeckt und hübsche Fachwerkhäuser zieren die Straße. Typisch für das Viertel sind die hohen Giebel und steilen Dächer.

Auch die charakteristischen Fensterläden mit Lüftungsschlitzen zeugen noch heute vom Handwerk der Gerber. An manch einer Tür entdecken wir außerdem drei überkreuzte Gerbermesser, das Zunftzeichen. Eine winzige Kapelle soll die Bewohner von einem unheimlichen »Stadtthier« beschützen – Aberglaube war auch bei den Elsässern verbreitet.

Fachwerkhäuser im Gerberviertel von Sélestat
Brunnen im Gänsegässchen von Sélestat
Katze auf dem Dach im Dahliengarten von Sélestat

Ein paar Schritte weiter treffen wir im Gänsegässchen auf einen der 16 alten Stadtbrunnen. Lange Zeit waren die Brunnen für die Bewohner die einzige Möglichkeit, sich mit Frischwasser zu versorgen. Die Errichtung eines Trinkwassernetzes war der Stadtverwaltung zwar spätestens 1880 als notwendig bekannt. Aus Kostengründen und weniger technischer Schwierigkeiten aber zögerte sie die Realisierung hinaus.

1887 gab sie schließlich dem Druck der kaiserlichen Militärverwaltung nach. Die Leitungen wurden dann Anfang des 20. Jahrhunderts verlegt. Auch wenn der Brunnen im Gänsegässchen das frischeste Wasser der gesamten Stadt lieferte, ist er seit 1911 außer Betrieb. Dafür steht er in einem der beschaulichsten Gassen der Stadt.

Gänsegässchen von Sélestat
weihnachtlicher Dahliengarten von Sélestat

Vom Gänsegässchen leiten uns die Löwentatzen in den Dahliengarten. Na ja, in der Adventszeit ist es wohl eher eine Ruheoase im Tannengarten. So spazieren wir schon bald weiter zum Hexenturm. Das ehemalige Niedertor zählt zu den spärlichen Überresten der ehemaligen mittelalterlichen Stadtmauer. Lange Zeit besaß der Turm an der zur Stadt zugewandten Seite keine Außenwand. Was sich für uns erst einmal seltsam anhört, machte im Mittelalter durchaus Sinn.

Denn gelang es einem Angreifer, den Turm einzunehmen, so standen die Eindringlinge ungeschützt im Freien. Nachdem im 17. Jahrhundert die Eingangstüren zugemauert wurden, diente der Turm als Gefängnis für vermeintliche Hexen. Gleich neben dem Hexenturm befindet sich das letzte Tor der Vauban-Befestigung, das Straßburger Tor. Es ist reich mit militärischen Symbolen, aber auch dem Schlettstädter Löwen und dem Erzengel Michael verziert.

der Hexenturm von Sélestat
das Straßburger Tor in Sélestat
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