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Aus Ruinen auferstanden

Restaurierung der Hohkönigsburg

Für die Elsässer war die Beauftragung von Bodo Ebhardt ein Glücksgriff. Denn als passionierter Burgenforscher und Spezialist für mittelalterliche Bauten war es dem gebürtigen Bremer wichtig, die Hohkönigsburg nach wissenschaftlichen Kriterien möglichst authentisch wieder auferstehen zu lassen.

Dazu ließ der spätere Präsident der Deutschen Burgenvereinigung einen Großteil der erhaltenen Mauern untersuchen und auf dem gesamten Gelände Ausgrabungen durchführen, während er die Archive Europas durchforstet und einige Burgen des 16. Jahrhunderts besichtigt.

Modell der Ruine Hohkönigsburg
Ausstellung über die Restaurierung der Höhkönigsburg

Mit einem bis dahin nicht gekannten Aufwand wurde ab 1900 die eigentliche Restauration vorangetrieben. Um die Lasten mit einer Dampflok transportieren zu können, verlegten die Arbeiter zwischen dem West- und dem Ostteil der Baustelle ein 60 cm breites Gleis. Danach musste »Hilda«, so nannten sie die Lok, vom Bahnhof in Schlettstadt an ihren Bestimmungsort gebracht werden. Hier soll die Zugkraft von 30 Pferden nötig gewesen sein, um die Steigung von der elsässischen Ebene bis hoch auf das Felsplateau zu bewältigen.

Auch sonst gingen mit dem Wiederaufbau einige Innovationen einher. So ließ Ebhardt eine Pumpstation errichten, um den Aufwand für den Wassertransport zu minimieren. Wie sehr er dabei auf Qualität achtete, zeigt, dass die Station noch bis Ende 2012 in Betrieb war. Auch erhielt die Baustelle eine eigene Sandsteinmühle, die den benötigten Sand direkt vor Ort produzierte. 1901 und 1902 folgten zwei mit Strom betriebene Kräne sowie das eigens für die Hohkönigsburg installierte Stromaggregat.

Türme auf der Ostseite der Hohkönigsburg
Türme auf der Ostseite der Hohkönigsburg
Türme auf der Ostseite und Bergfried der Hohkönigsburg

In Spitzenzeiten waren bis zu 220 Arbeiter auf der Baustelle tätig. Und nicht wenige konnten daheim von Dingen berichten, die sie von daheim nicht kannten. So konnte die Hohkönigsburg dank des Stromaggregats künstlich beleuchtet werden, während man sich in den Dörfern am Fuß der Burg zum Teil bis nach dem Ersten Weltkrieg gedulden musste, eh auch dort der Fortschritt mit elektrischem Licht einzog. Die Absicht des Kaisers, die Ruine in ein Museum zu verwandeln, gelingt dadurch bereits während der Bauphase.

So führen die vielen Neuerungen dazu, dass ab 1904 Führungen auf der Baustelle ermöglicht werden. Die ersten Besucher wurden dabei zugleich Zeuge der akribischen Arbeit Ebhardts. Um erhaltene und restaurierte Teile der Burg auch später noch voneinander unterscheiden zu können, ließ er in die ersetzten Quader Zeichen einschlagen. Entsprechend der Restaurationszeit von 1901 bis 1908 finden wir heute acht dieser Symbole auf dem Rundgang, müssen dafür aber natürlich genau hingucken.

Blick in die Küche der Hohkönigsburg
Altes (Wein-) Fass nahe der Burgküche
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